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On 15. Oktober 2016
Last modified:14. Oktober 2016

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Leider unterliegt aufgrund von vielen kleinen und großen Mankos das Explorer One im Test seinem kleineren Bruder dem Celtibero. Eingeschränkt empfehlenswert.

Mit dem CDS Explorer One Black soll nach dem Celtibero ein zweites Messer aus dem Hause Cuchillos De Supervivencia (CDS Survival) vorgestellt werden.

Der Name des spanischen Messerherstellers bedeutet übersetzt „Überlebensmesser“. CDS hat sich in letzter Zeit mit Outdoor- und Survivalmesser im mittleren Preissegment von sich reden gemacht und ist unter anderem als Empfehlung auf meiner Outdoormesserliste gelandet. Und in unserem Test des Celtibero Coco hat diese neuere Firma und ihre Ansprüche auch auf jeden Fall überzeugen können.

Doch auch wenn es sich um Handanfertigungen auf Bestellung von so großen Kunden wie dem spanischen Militär handeln mag, beim CDS Explorer zeigt sich, dass CDS doch noch eine junge Firma ist.

Denn so leid es mir tut, es gibt noch erheblichen Verbesserungsbedarf beim CDS Survival Explorer Black, gerade im Vergleich mit seinem kleineren Bruder Celtibero.

Größe ist nicht alles

CDS Explorer One Black Survivalmesser im TestDoch eines nach dem anderen. Wie das Celtibero ist das CDS Explorer One Black ein sehr schönes und wuchtiges feststehendes Messer.

Man misst ganze 31 cm Gesamtlänge bei einer Klingenlänge von 17 cm. Das dürfte den Einsatzbereich dieses Messer schon einmal gleich einschränken. Ich habe es schonmal gesagt und sage es wieder – Größe ist bei einem Outdoormesser nicht alles und großes Messer ist nicht gleich gutes Messer.

So dürfte auf den ersten Blick klar sein, dass es zu groß und zu klingenlastig für feinere und kontrollierte Schneidearbeiten sein dürfte.

Auch die Stärke der Klinge mit 5 mm ist natürlich robust und stark. Man wird eine gute Hackleistung erwarten können, aber als Allrounder? Wir werden sehen.

CDS Explorer One Black

Es handelt sich beim CDS Explorer One Black um ein feststehendes Messer, das einen so genannten Full Tang aufweist. Das bedeutet, die Klinge geht durch bis zum Knauf und ist aus einem Stück Stahl  gefertigt.

Damit genügt das Explorer den einfachsten Ansprüchen für ein gutes Outdoormesser. Da es beim Outdoor schwere und anstrengende Arbeiten zu verrichten gilt, muss das Messer entsprechend viel aushalten und robust sein, und das wird durch den Full Tang garantiert.

In diesem Fall reicht das Stahlende sogar etwas über den Knauf hinaus und legt ein Schlagstück frei, das sogar Riffel oder Jimping aufweist. Ich komme darauf weiter unten im Test zu sprechen.

Die Klinge

Die Klingenlänge des CDS Explorer One Black Überlebensmessers bemisst schon fast monströse 17 cm. Gut, „monströs“ ist sicher etwas übertrieben, aber für einen Allrounder ist das wie gesagt eine Menge.

Wenn man sich überlegt, welche Arbeiten ein gutes Outdoormesser verrichten sollte, dann darf man allein bei der Klinge erste Zweifel anmelden, was die Leistung des Explorers angeht.

Die Schneide ist allerdings etwas kürzer mit circa 15 cm. Das Ricasso fungiert gleichzeitig als Fingerschutz, der wesentlich ausgeprägter und funktionstüchtiger ist als beim Celtibero, das ist definitiv ein Plus.

Auch weist der Rücken eine Daumenrampe mit Jimping auf. Trotz Größe kann man dieses Messer also viel besser greifen und kontrollieren, als den kleinen Bruder Celtibero. Weiter unten werde ich darauf zurückkommen.

Die Klingenstärke des CDS Explorer Black ist fast durchgängig 5,0 mm, allerdings kommt hier die falsche Schneide an der Spitze ins Spiel, wenn es um die Einstechqualitäten geht. Etwas eleganter und im wahrsten Sinne pointierter wird somit die Drop Point-Spitze. Dieser Aspekt erweitert wiederum den Einsatzbereich des Messers.

Was bedeutet das jetzt?

Die Drop Point – Klinge ist nicht nur gut zentriert, was ebenfalls für Stabilität sorgt, sondern das Explorer ist auch besser als das Celtibero zum Einstechen geeignet – und vielleicht weniger zum Hebeln als der kleinere Bruder.

Fangriemen

CDS Explorer One Black Überlebensmesser FangriemenAuch beim CDS Explorer One Black Survivalmesser hat CDS wieder einmal mitgedacht, was den praktischen Outdoornutzen angeht. Das Messer hat gleich drei Lanyard Löcher für Fangriemen. Ein Loch ist klassischerweise am Knauf, das zweite als Teil des Ricassos nahe am Fingerschutz, die dritte oben an der Daumenrampe.

Das findet man nicht ganz so häufig, was schade ist. Denn drei Ösen bzw. Löcher können im Survival oder Outdooreinsatz ganz essentiell sein. Sei es, um den eigenen Griff zu sichern, oder das Messer an einem Stock als Bayonet zu befestigen. Das ist wirklich sehr praktisch und mit Blick auf den Outdooreinsatz konzipiert. Gut gemacht, CDS.

MOVA Stahl besser als sein Ruf

Der Klingenstahl des CDS Explorer Black ist, wie beim Celtibero aus Molybdenum-Vanadium oder MOVA-58. Dieser typisch spanische Stahl Dieser ist mit einem Rockwell-Härtegrad von 56-58 angeben.

Der Stahl ist weniger bekannt und kaum einer kennt das Mischverhältnis. Er ist am ehesten mit 440er B vergleichbar, jedenfalls schließe ich das aufgrund der Eigenschaften und seinem Verhalten bei allen möglichen Arbeiten.

Nun wird immer wieder betont, dass dies nicht der beste Stahl in Sachen Schnitthaltigkeit ist. Das stimmt sicher, aber für rostfreien Edelstahl in der Nähe zu 440B ist er überraschend schnitthaltig und auch sonst sind bei härteren Arbeiten keine Abnutzungen und Kerbungen zu erkennen.

Und das ist auch gut so, denn leider wird das Explorer, anders als das Celtibero, nicht mit einem extra Schleifstein ausgeliefert.

Griffe und Handling

Abgesehen von den wunderbaren Lanyard Holes sichern die Griffe aus Micarta das Handling.

Sehr gut und sicher liegt das Explorer One Black damit in der Hand, was umso wichtiger ist bei der Größe und dem Gewicht. Ganz zu schweigen von einem Messer, das so klingenlastig ist, wie das Explorer.

Allerdings muss man leider sagen, dass das Jimping, also die Riffel sowohl an der Daumenrampe, als auch am Schlagstück viel zu aggressiv sind und definitiv etwas abgerundeter und abgeschliffener sein könnten.

Außerdem bietet sich der Umkehrgriff bei dem Explorer ohnehin nicht an, wozu also das Jimping am Schlagstück? Das erschwert nur das Hämmern und macht sich bei längeren harten Arbeiten negativ bemerkbar in Form eines wunden kleinen Fingers.

Aber alles in allem ein sehr griffiges Messer, dass sich wunderbar sichern und als Bayonet nutzen lässt.

Größtes Manko – Hohlschliff

Kommen wir nun aber zum größten Kritikpunkt, der das Explorer One von CDS Survival für die meisten Outdoorarbeiten – ich muss es leider sagen – unbrauchbar macht.

Im Gegensatz zum wunderbar hochgezogenem Flachschliff des Celtibero hat das Explorer einen kurzen Hohlschliff, der fast axtartig geschliffen ist.

Was heißt das also? Hacken funktioniert, wie man erwarten kann bei der Wuchtigkeit und dem Schliff ganz wunderbar.

Doch schon beim Holzspalten, beim Batoning, gibt das Explorer schnell den Geist auf und bleibt eher in der Mitte des Blocks stecken. Sehr ungünstig.

Magerer Test

Das CDS Explorer One Black ist also kein Spalter, oder auch nur ein passabler Schneider.

Vor kurzem haben wir über die 13 wichtigsten Arbeiten geschrieben, die ein gutes Outdoormesser erfüllen soll, und ich kann hier kaum Dinge guten Gewissens abhaken.

Mit diesem groben Klotz von Messer, das noch nicht einmal vernünftig geschärft ausgeliefert wird, kann ich leider kein Essen zubereiten.

Auch andere feinere und leichtere Arbeiten lassen sich kaum bewerkstelligen, obwohl man den Explorer – im Gegensatz zum Celtibero – gut im Choke Griff kontrollieren kann.

Aber jedesmal, wenn etwas gekerbt oder geschabt werden soll, der Hohlschliff bringt nur mäßige Ergebnisse, ganz zu schweigen vom Anspitzen von Stöcken.

Allerdings kann man mit dem Outdoormesser erwartungsgemäß ganz prima Dosen öffnen. Die Klinge und Spitze ist robust, die falsche Schneide unterstützt zusätzlich das Einstechen, und die Wuchtigkeit des Messers erleichtert die groben Arbeiten, wie auch das Hacken ungemein.

Die Selbstverteidigung dürfte vielleicht dank der falschen Schneide auch besser sein als beim Celtibero. Aber unterm Strich fällt die Funktionalität des Explorer weit hinter dem kleineren Full Tang von CDS Survival, dem Celtibero, zurück.

Die Extras

CDS Explorer One Black Outdoormesser FeuerstahlWie oben schon erwähnt sind im Lieferumfang des CDS Explorer One Black eine Lederscheide inklusive Feuerstein enthalten.

Der Feuerstahl ist nicht wirklich gut, aber die Idee zählt.

Die braune Lederscheide ist mäßig überzeugend, was die Verarbeitung angeht oder die Qualität des Leders. Und was ich von Lederscheiden für Outdoormesser halte (erst recht, wenn man auch noch Jagen will), ist ohnehin verschwindend gering.

Aber es ist doch positiv hervorzuheben, das sie ein Loch hat und somit Flüssigkeiten abfließen können. Und man kann sie am Gürtel  tragen, und zwar horizontal oder vertikal – ein großes Plus.

Aber damit nicht genug, die im Lieferumfang enthaltene Lederscheide ist zudem auch MOLLE -kompatibel. Da hat sich der Hersteller CDS doch wieder Gedanken gemacht.

Allerdings sind die Druckknöpfe nicht nur praktisch. Erstens sind sie nicht so ganz fest, zweitens zerkratzen sie potentiell die Klinge beim Ziehen oder beim  (ungeschicktem) Einstecken.

Wieder einmal mochte ich für eine Kunststoffscheide für Outdoormesser plädieren.

Fazit

Das CDS Explorer Black könnte ein wirklich gutes Outdoormesser werden. Ja, so leid es mir tut, aber diesmal muss ich wirklich sagen, dass ich hier noch sehr viel Raum für Weiterentwicklungen sehe.

Aber definitiv auch das Potential. Ein solider Flachschliff, ob nun besonders hoch angezogen oder nicht, würde sicher schon einiges lösen.

Auch die Lederscheide ist nur mittelmäßig, funktional wie auch in der Verarbeitung. Gleiches gilt für das Jimping am Schlagstück und an der Daumenrampe.

Dafür lassen Sie mich noch einmal die Highlights betonen, denn diese hat das Explorer sicher auch.

  • das Preis-Leistungsverhältnis ist vernünftig,
  • der Stahl MOVA 58 weiß mit seiner Schnitthaltigkeit zu überraschen,
  • die Micarta Griffe sind sehr griffig und ergonomisch,
  • sogar angesichts seiner Klingenlastigkeit ist das Explorer gut gewichtet,
  • seine Hackeigenschaften sind sehr gut.

Das CDS Explorer Black liefert für seinen Preis von unter 150 Euro ein faires Leistungsverhältnis, aber so, wie es derzeit hergestellt wird – ganz ehrlich, ich würde die paar Euro mehr ausgeben für ein CDS Celtibero.

Dann bekommt man ein Messer, das sich auch gerade für Einsteiger einfach fantastisch eignet, und mit dem man schon einen soliden Allrounder für den Outdoorbereich in der Hand hat. Über das Explorer kann ich das derzeit leider noch nicht sagen.

Oder was meinen Sie? Ist das CDS Explorer Black am Ende doch ein gutes Survivalmesser und polarisiert die Beurteilungen?

Leider unterliegt aufgrund von vielen kleinen und großen Mankos das Explorer One im Test seinem kleineren Bruder dem Celtibero. Eingeschränkt empfehlenswert.

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