Review of: Eickhorn SEK P
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€€€€

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4
On 24. August 2016
Last modified:11. November 2016

Summary:

Ein sehr solides und zuverlässiges taktisches Messer, das jedoch im Outdooreinsatz "richtigen" Überlebensmessern deutlich unterliegt.

Seit mehr als 140 Jahren stellt Eickhorn-Solingen professionelle Blankwaffen her, und heute soll es um das Eickhorn SEK Polizei Einsatzmesser gehen.

Wie auch schon im Zusammenhang mit dem KM 4000 erwähnt, müssen die Messer von Polizei, Militär oder Einsatzkräften nicht nur Waffen, sondern auch funktionale Werkzeuge sein.

Schließlich kann man nicht ein Messer zum Schneiden von Gurten, eines zur Verteidigung und ein weiteres zum Aufhebeln mitführen.

Alles in einem Messer zu vereinen, wie es im Eickhorn S.E.K.-Polizei der Fall ist – das ist die Kunst, die Eickhorn perfekt beherrscht.

In diesem Test geht es also offensichtlich um die P-Variante des S.E.K.s – es gibt noch eine „M“-Variante für die Marine, darauf, sowie auf die Unterschiede gehe ich weiter unten ein.

Eickhorn S.E.K.-Polizei Einsatzmesser

Eickhorn SEK Polizei im Test – Für Den Outdoor-SondereinsatzDoch wie bei jedem multifunktionalem Produkt können nicht alle Elemente gleichermaßen perfekt sein und den spezifischen Ansprüchen im Einzelnen genügen.

Auf einen guten Mix kommt es an. Und natürlich auch wie immer darauf, wofür man das Messer verwenden möchte, wenn es nicht gerade um das Sammeln geht.

Jeder kennt das aus dem Fernsehen, die S.E.K.s oder Sondereinsatzkommandos haben Spezialaufträge. Die Polizisten wissen vor jedem Einsatz genau, um welche Situation es sich handelt.

Egal, ob man – etwa bei einer Geiselnahme – in ein Gebäude eindringen oder ein Fahrzeug stoppen muss, das Eickhorn SEK Polizei leistet dabei gute Dienste.

Ist das ein Dolch…?

Die offizielle Bezeichnung des Eickhorn SEK – Polizei als „Klappmesser“ hier ist irreführend. Es handelt sich klar um einen feststehenden Dolch.

Die Gesamtlänge beträgt 21,5 cm, die Klingenlänge 10 cm. Aha, heißt das, man darf es mitführen?

Zweischneidige Kombi-Klinge

Nein, denn die Schneide ist nicht einseitig und das Einsatzmesser ist nach Definition ein Dolch und somit eine Waffe. Das hat natürlich funktionale Gründe.

Unter anderem muss es im Einsatz schnell gehen, und dann muss man nicht lang auf die richtige Seite achten. Und auf das taktische Messer herunterschauen muss die Polizei auch nicht, ganz abgesehen vom taktischen Einsatz, bei dem die zweischneidige Klinge sicher auch recht funktional wirkungsvoll ist.

Doppelt hält – und geht – eben besser.

Es handelt sich beim Eickhorn SEK Polizei um eine Kombi-Klinge, die Flach- mit Wellenschliff vereint. Das ist wiederum taktisch klug.

Auch ist sie von einer stattlichen Stärke für diese Größe: ganze 5 mm, damit kann man schon einiges ausrichten.

Das hat wieder ganz offensichtlich funktionale Gründe, so wird das Messer zum Allround-Schneider- oder etwa nicht? Wir werden sehen.

N695 kämpft gegen Verschleiß

eickhorn sek m

Eickhorn SEK-M

Der Stahl ist Böhler N695 und dessen Härtegrad wird mit 58 HRC beziffert. Dieser rostfreie Stahl ist Chromium-legiert mit einer relativ hohen Härte und hohem Verschleißwiderstand.

Das ist natürlich ein wichtiger Aspekt für professionelle taktische Messer für Polizei, die permanent im Einsatz sind und nicht ständig ersetzt werden können.

Die Korrosionsresistenz des Eickhorn SEK Polizei ist bei diesem Stahl nicht umwerfend, aber in Ordnung. Die M-Variante für die Marinetaucher ist in dieser Hinsicht etwas besser ausgestattet, mit einer DLC (das steht für „Diamond Like Carbon“) beschichteten Klinge.

Der Stahl N695 ist neu und zur Abwechslung ´mal etwas anderes. Und auch qualitativ ist er wirklich eine gute Wahl, zumal er auch noch relativ leicht zu schärfen ist, das gibt es seltener. Allerdings stellt uns der Wellenschliff hier ein Bein, aber dazu später mehr.

Mattes Finish mit Korund

Die S.E.K.-P Variante ist die Klinge zusätzlich noch mit Korund gestrahlt. Das ist eine Mineralverbindung, die die Härte und damit Widerstandsfähigkeit der Klinge erhöht.

Sie hat dadurch ein mattes Finish, das mir persönlich gut gefällt und ich recht edel finde – wenn man einmal von dem Eichhörnchen mit einem gewissen Niedlichkeitsfaktor absieht.

Und durch das matte, dunkle Finish wird natürlich auch die taktische Seite des Messers unterstrichen – also keine verräterischen Reflexionen beim Anschleichen mit gezogenem Einsatzmesser.

Gewicht und Tragekomfort

Es geht leichter als die 140 Gramm, die das  Eickhorn SEK Polizei auf die Waage bringt, trotz „skelletierten“ G10 Griffen. Inklusive Scheide sind es dann schon 230 Gramm.

Aber jetzt einmal ernsthaft: das ist natürlich Leiden auf hohem Niveau und schließlich bekommt man eine sehr robuste 5mm Klinge dafür.

Kydex Scheide

kydex scheideDie Kydex Scheide des Messers erlaubt das Messer auch u.a. horizontal zu tragen bzw. individuell an den Zugwinkel anzupassen. Die Marine-Variante hat übrigens Klettverschlüsse.

Zusätzlich zu diesem patentierten System zur Befestigung erlaubt der Kunststoff, das Messer auch blitzschnell zu ziehen.

Griffe

Wie bereits erwähnt sind die Griffe des Eickhorn S.E.K.-Polizei aus zweifach verschraubten G-10.

Sie sind also gut griffig und rutschfest. Die leichte Struktur nennt Eickhorn selbst „Rough Grip“ – also robuster oder grober Griff.

Das kann ich bestätigen. Und auch bei längeren Arbeiten braucht man nicht unbedingt Handschuhe, den trotz der selbsterklärten „Grobheit“ ist die Struktur immer noch dezent.

Dieser Aspekt wird weiterhin verstärkt durch den Fingerschutz oben und unten – wieder wurde an den schnellen, beidseitigen Einsatz gedacht.

Der Stahl schaut über die Schalen hinaus, ein perfekter Glasbrecher. Das macht das Messer etwas grifflastig.

Griffe und Klinge stehen aber grundsätzlich in einem ausgewogenem Verhältnis. Damit ist das Handling natürlich anders als beim klingenlastigen KM 4000 zum Beispiel, und das wirkt sich damit auf den Einsatzbereich des Eickhorn S.E.K.-Polizei aus, wie ich unten diskutiere.

Griffringe für wärmere Gefilde

Und schließlich das wohl auffälligste Merkmal des Messers, die Griffringe oder Fingerlöcher. Dass das auch am Gewicht spart, dürfte wohl Nebensache sein.

Hier finde ich es schwierig, mit Handschuhen zu arbeiten, und gerade, wenn das Messer eiskalt ist, wünscht man sich diese schon. Das habe ich selbst per Eistruhe getestet, denn es wird ja explizit als allwettertauglich angepriesen.

Schade, denn zusätzlich zu den vier Löchern zum Sichern durch Fangriemen und der hyperfunktionalen beidseitigen Schneide, mit der man besonders gut Seile schneiden kann, könnte ich mir eigentlich gut den Einsatz in den Bergen und beim Klettern vorstellen.

Eickhorn SEK Polizei – Taktisch klug?

Ich bin mir sicher, dass sowohl Eickhorn als auch das S.E.K.-Team von Nordrhein-Westfalen (wenn mich nicht alles täuscht, verwenden die das Eickhorn S.E.K.-Polizei), wohl ihr taktisches Geschäft weitaus besser verstehen, als ein Outdoor-Agent und Lagerfeuerheld, wie ich es einer bin.

Aber bei diesen Griff- oder Fingerringen an taktischen Waffen frage ich mich immer, ob das nicht auch nach hinten losgehen kann und man in einem Gefecht seine Finger wirklich fest im Messer stecken haben möchte.

Aber wahrscheinlich ist ein kaputter Finger bei dieser Sorte von Spitzbuben das kleinere Übel und, ja, ich überlasse es den Experten, über die taktischen Funktionen des Messers zu urteilen – wir haben andere Aufgaben zu bewältigen.

Schneiden, Schnitzen, Hacken

Die buchstäbliche Schnittmenge des Eickhorn SEK Polizei mit dem alltäglichen EDC-Einsatz ist recht groß, und dank der Kombi-Klinge ist das Einsatzmesser schon vielseitig einsetzbar.

Seile und Taue gehen wirklich sehr gut. Auch anderes Material war mit Leichtigkeit zu durchtrennen.

Da ich ausnahmsweise keinen Autogurt zum zerschneiden hatte, kam diesmal etwas verstärktes Segeltuch unter das Messer, dass ich als Flicken zurechtschneiden wollte.

Nun, schneiden kann das Messer. Sicher auch alles andere, was man so üblicherweise testet. Aber will man das?

Beschränkter Einsatzbereich

Oder anders formuliert: macht das Sinn und ist das praktisch? Nach meiner Meinung eher nicht. Mit den typischen Einsatzbereichen von Seilen, Gurten und Tauen ist die Schneidefuntionalität des Messers sehr treffend beschrieben.

Man kann es sich gut vorstellen: Egal, wie herum, das Messer einfach in eine Schlaufe gesteckt und mit einer ruckartigen Bewegung durchgezogen – dafür ist das Eickhorn S.E.K.-Polizei gemacht.

Wohingegen alle Schneidearbeiten, bei denen man Druck auf den Rücken ausüben möchte, für dieses Messer eher unnatürlich und eben auch unpraktisch erscheinen. Es ist halt ein Dolch, ein taktisches Messer für den speziellen Einsatz und eben kein Outdoormesser.

Gleiches gilt zum Beispiel für das Schnitzen. Auch für das Hacken würde ich ein Messer vorziehen, das klingenlastiger ist (wie zum Beispiel das KM 4000), als dieser proportional ausgewogene Dolch, der eher die Griffe betont.

Aufhebeln

Allerdings soll ein wichtiger Funktionsaspekt des Eickhorn SEK Polizei nicht unterschlagen werden. Und dabei geht es um die Hebelwirkung des Messers.

Denn das ist wiederum von größter Wichtigkeit für den Einsatz. Oft müssen Fenster oder Türen aufgehebelt werden – das filmreife Auftreten oder Zerschießen der Schlösser ist in der Realität vielleicht eher etwas zu laut.

Das arme Kampfmesser? Kein Spur. Die Klinge ist mit 5mm und erst recht in dieser Vollstahlkonstruktion bärenstark. Aber das ist nicht alles.

Zusätzlich wurde sie so gearbeitet, dass sie am Schaft etwas flexibler ist und so nicht brechen kann. Das nenne ich wirklich eine Meisterleistung.

Sachdienliche Hinweise

Das Einsatzmesser ist etwas aufwändiger zu schärfen wegen des Wellenschliffs. Aber man muss sagen, dass der Stahl gut die Schneiden hält und man nicht ständig nachschärfen muss.

Auch ist das Eickhorn S.E.K.-Polizei ansonsten wirklich sehr pflegeleicht und leicht zu reinigen.

Die Scheide ist super, muss aber vielleicht nicht ganz so breit sein. Ein bisschen weniger Spiel wäre schön, und man könnte das Messer sicher immer noch schnell ziehen.

Schlussplädoyer

Man muss ja fair (und bescheiden) bleiben. Den taktischen Nutzen des Messers kann ich nicht wirklich beurteilen, erst recht nicht im Vergleich mit den Profis. Ich denke, die Abnehmer und illustren Kunden dieser Messer sprechen Bände.

Aber zur Verarbeitung und dem verwendeten Material, beides weiß zu beeindrucken und den Preis zu rechtfertigen. Typisch Eickhorn eben, das Eickhorn SEK Polizei ist äußerst robust und von einer hochwertigen Qualität.

Hier noch einmal die wichtigsten Merkmale:

  • Gesamtlänge 21, 5 cm,
  • Klingenlänge 10 cm bei einer Stärke von 5 mm,
  • Gewicht 140 Gramm, inklusive Scheide 230 Gramm,
  • Vollstahlkonstruktion in rostfreiem und schnitthaltigem Böhler N695,
  • G-10 Griffschalen mit Fingerringen,
  • unverwüstliche Kydex Scheide, individuell tragbar.

Urteilsverkündung

Die traditionsreiche Erfahrung und Spezialisierung auf diese Art von Messern zeigt sich einmal mehr als überdeutlich.

Allerdings spielen diese Aspekte auch preislich in einer höheren Liga. Rund 180 Euro muss man für dieses Militärmesser aufbringen.

Allein das besondere Design, die Qualität und die meisterliche Verarbeitung macht diese Anschaffung für einen Messerfan absolut lohnenswert. Das Eickhorn SEK Polizei macht Kennern Freude.

Auch handelt es sich beim Eickhorn S.E.K.-Polizei um ein Messer, das wunderbar ausgewogen in der Hand liegt und gute Schneide- und Hebeldienste leistet.

Aber beide Varianten, P für Polizei und M für Marine, sind eben keine ausgesprochenen Outdoor oder Survival Messer im klassischen Sinne, wenngleich wiederum die M-Variante sich vielleicht für Aktivitäten nahe am, oder gar im, Wasser anbietet.

Zu den Erfahrungsberichten anderer Eickhorn SEK P Besitzer

Wie schätzen Sie den Einsatzbereich des Eickhorn SEK Polizei ein? Was sind ihre Erfahrungen?

Ein sehr solides und zuverlässiges taktisches Messer, das jedoch im Outdooreinsatz "richtigen" Überlebensmessern deutlich unterliegt.

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