Benchmade 890 Torrent Nitrous Einhandmesser im Test

Das Benchmade 890 Torrent ist ein typisches Benchmade Einhand-Taschenmesser: elegant, solide, und leider auch etwas teurer. Doch es lohnt sich, denn dieses Taschenmesser besticht nicht nur durch fantastisches Design, sondern überzeugt auch als EDC Allrounder, wenngleich mit einigen Abstrichen.

Was ins Auge springt: Benchmade 890 Torrent Design

Zunächst einmal das Offensichtlichste: Ken Staigerwalts Design zeitigt hier eine schlichte Eleganz (zum Glück einmal keine Muscheloptik). Das Benchmade 890 Torrent ist fast zu schön, um es für Alltägliches einzusetzen oder abzunutzen.

Doch auch wenn es wie ein hochpreisiges, taktisches Tool daher kommt und aussieht, als wäre es James Bonds Lieblingsmesser (hätte er denn eines gehabt), ist es doch auch ein funktionales EDC-Taschenmesser. Im Gegenteil, ich bin mir nicht sicher, ob es sich überhaupt als taktisches Messer eignet, denn es ist weniger griffig, als man es sich in einem solchen Fall wünschen würde.

Technisches zum Benchmade 890 Torrent

Bevor ich zum eigentlichen Test komme, hier ein paar technische Details, die entsprechende Erwartungen wecken:

  • Das Benchmade 890 Torrent ist ein Leichtgewicht von gerade einmal 100 Gramm. So ist es leicht genug für ein EDC, und es stört nicht weiter, wenn man es den ganzen Tag trägt.
  • Es ist mit einer Gesamtlänge von 21 cm und einer Klingenlänge von 9 cm groß genug, um notfalls als taktisches Messer zu fungieren.
  • Der Klingenstahl ist aus 154CM, recht typisch für Benchmade (siehe auch das Benchmade Griptialian). Das bedeutet, es lässt sich leicht schärfen und bleibt auch lange scharf. Er ist rost- und korrosionsresistent.
  • Mit einem Härtegrad von 58-61HRC sollte dieser Stahl die meisten Schneidefunktionen mit Leichtigkeit erfüllen können.

Das Wichtigste: Die Klinge

Doch eines nach dem anderen. Zunächst einmal zur Klinge des Benchmade 890 Torrent, die wiederum durch ihre Ästhetik besticht: eine schmale, klassische Drop Point-Form, die noch dazu wunderschön verarbeitet ist in Benchmades „satin finish“.

Die 154CM-Stahlklinge ist ca. 9 cm lang und ein Grund, weshalb des Messer so leicht ist, denn sie ist nur knapp 3 mm breit, also robust genug für ein EDC und alltägliche Belastungen.

Die Form wirkt zusätzlich zum Drop Point elegant und schmal durch die Stanzung über die gesamte Länge und den Flachschliff. Das sieht zwar schick aus, lässt aber – rein optisch – an der Stärke der Messerspitze zweifeln, gerade bei „härteren Aufgaben“.

Aber der Hersteller gibt den Härtegrad mit zwischen 58 und 61 auf der Rockwell-Skala an und letztlich erleichtert diese Art von Klinge natürlich das Einstechen selbst. Also alles in allem eine schicke, aber auch funktional vielseitige Klinge, die vor allem bei Survival Messern oft zum Einsatz kommen.

Liner Lock mit Nitrous Assist Technology

Auf den Punkt gebracht: Die Seitenfeder ist simpel und funktional. Die Federspannung ist nicht besonders berauschend, auch wenn hier Benchmades patentierte „Nitrous Assist“-Technologie zum Einsatz gekommen ist, also eine sichere federunterstützte Öffnung der Klinge verspricht,  die relativ schnell ist.

Der Nitrous Assist Öffnungsmechanismus ist es auch, was die offene Verwendung in Deutschland nach  §42aWaffG etwas schwieriger macht. Wie auch hier gilt – berechtigtes Interesse ist zum Führen des Messers erforderlich. Selbstverteidigung gehört beispielsweise nicht dazu, Jagd, Angeln, Sport und Brauchtumspflege hingegen schon.

Allerdings ist die Klinge nicht hunderprozentig zentral ausgerichtet, aber es gibt zumindest keinen Reibungsverlust (anders, wenn sie perfekt mittig sitzt, dann klappt es aber nicht komplett aus).

Ich habe für mich einen guten Kompromiss zwischen Ausrichtung und Schnelligkeit gefunden. So ist es zwar nicht die schnellste Klinge, die ich je benutzt habe, aber effizient genug. Ob es dieses Feature überhaupt braucht, bleibt also fraglich.

Der Schließmechanismus ist (vielleicht zu?) leichtgängig, so dass man eventuell erst einmal ein wenig mit dem Messer spielen und ausprobieren möchte, bevor man sich an schwierigere Aufgaben macht. Nicht, dass das Messer nicht sicher wäre, aber ich habe schon überzeugendere Liner Locks gesehen.

Dennoch hat die Klinge selbst kein Spiel, und selbst bei einfacheren bis mittleren Aktionen, wie zum Beispiel Kartons, war alles bestens.

Doch am Liner zeigt sich schon das größte Manko für einige User: der Daumenstift ist von Werk aus auf der rechten Seite (siehe unten), also erst einmal nichts für Linkshänder. Allerdings ist dieser leicht zu erreichen und recht empfindlich. Ich habe es mit der linken Hand versucht und konnte es auch leicht mit den Fingern öffnen.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch erwähnen, dass es keine externe Sicherung gibt, so dass ich es mir zweimal überlege, das Messer mit Spitze nach oben in die Tasche zu stecken.

Handling und Griffigkeit

Und das bringt mich zum Handling. Die Griffe, schön in Holzmaser-Optik, sind aus superleichtem, robusten G10 – wieder ein Grund, weshalb man es für ein taktisches Messer halten könnte.

Aber genau an den Griffen zeigt sich für mich, dass das genaue Gegenteil der Fall ist: sie sind so gut wie gar nicht ergonomisch geformt. Auch wenn das Messer gut in der Hand liegt und die Griffe groß genug sind, einen schweren Stoß möchte man damit nicht ausführen.

Test, Test – was es kann

Kommen wir also zum eigentlichen Test: Rasieren, Gemüse schneiden, Kartons zerkleinern, all das geht problemlos mit dem Benchmade 890 Torrent. Gerade bei der Rasur habe ich gemerkt, dass es bis dato eines meiner schärfsten Messer ist. Auch bei der Feldküche – einen Test, den ich gern bei EDC-Messern mache – leistete es gute Dienste.

Es ist also tatsächlich nicht nur schön, sondern ein Allrounder. Allerdings gibt es hier einen Wermutstropfen. Nach drei Kartons – und das Messer schnitt auch diese problemlos und ohne großen Kraftaufwand – fing es an, an einer kleinen Kerbe stumpf zu werden. Ich hätte sicher noch weiterschneiden können, wollte es aber lieber nicht darauf ankommen lassen.

So kam es dann auch gleich zum Schärfen: selbst mit meinem alten Pampered Chef konnte man gute Ergebnisse erzielen, aber mit meinem Edge Pro Apex schaffe ich es fast zum perfekten Mirror-Schärfegrad und konnte sogar die kleine Kerbe nahezu beseitigen. Es braucht nicht viel, um es rasiermesserscharf zu schleifen, und bei einem 1000er Schleifstein bekommt man fast Angst.

Praktisches: Tragekomfort

Wie bereits erwähnt ist das Messer ein Leichtgewicht, was natürlich den Tragekomfort erhöht. Auch hat das Messer einen Clip, mit dem man es bequem in der Hosentasche tragen kann. Er ist zwar stabil, doch so leichtgängig, dass man das Messer aus der Tasche ziehen, und nach Gebraucht wieder befestigen kann.

Ein winziges Detail: der Clip ist sehr glänzend, nur für den Fall, wenn man Camoulflage bevorzugt.

Linkshänder sind aus dem Rennen

Aber nun zu einem wirlich wichtigem Aspekt, der einige Kunden abschrecken wird und den ich schon weiter oben erwähnt habe: das Messer ist streng genommen nicht für Linkshänder geeignet.

Zunächst einmal ist der nur an einer – der rechten – Seite, so dass man ihn nur rechts tragen kann. Alles andere wäre fast fahrlässig, denn wie oben beschrieben, ist der Springmechanismus recht leichtgängig und so möchte man erst gar nicht versuchen, dass Messer verkehrt herum zu trangen.

Und, ja, man könnte es rein theoretisch auch links tragen – der Mechanismus ist so sensibel, dass man ihn auch mit den Fingern auslösen kann, wie ich oben schon ausgeführt habe– aber das ist doch sehr gewöhnungsbedürftig.

Zweitens lässt sich der Daumenstift zwar umwechseln, aber dann lässt sich das Messer nicht mehr ganz schließen. Das bedeutet also, das Messer kann am besten nur von Rechtshändern mit der Klinge nach unten getragen werden.

Benchmade 890 Torrent Zusammenfassung

Zusammenfassend möchte ich zu Protokoll geben, dass ich ein großer Fan des Benchmade 890 Torrent bin.

Es ist ein wirklich sehr schickes und funktionales Messer. Es befriedigt höchste Ansprüche an das Material und das Design. Es genügt alltäglichen Ansprüchen und die Klinge wunderbar leichtund fantastisch zu schärfen.

Unentschlossen bin ich bei der Frage, ob man die Nitrous Assist Technology wirklich bei diesem Messer braucht und ob sie hält, was sie verspricht. In diesem Zusammenhang steht auch die Frage nach der Robustheit der Sicherung bei etwas größeren Herausforderungen.

Als Fan bin ich aber auch der größte Kritiker, und hier die Abzüge in der B-Note. Allen voran die Linkshänder-unfreundliche Ausführung. Man kann sich umgewöhnen, es ist aber nicht optimal und auch nicht ganz sicher. Hinzu kommt die Enttäuschung über die nicht hundertprozentig robuste Klinge, die nach drei Kartons schon eine kleine Kerbe aufweist.

Ich würde nicht so weit gehen, dass das Benchmade 890 Torrent ein bloßes Sammlerstück ist, gewissermaßen ein Designstück unter EDC-Messern. Aber unterm Strich muss ich sagen, gerade bei dem Preis zahlt man mehr für das Design als für Funktionalität.

  • Design vs. Funtionalität – Sehen Sie das auch so?
  • Was sind ihre Erfahrungen mit Benchmade Torrents?
  • Wäre dieses Torrent auch ohne Liner Lock attraktiv?

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