5 Medizinische Fakten über das Wandern, die Sie kennen sollten

Ärzte erklären wie das Wandern unser Gehirn verändertÄrzte erklären wie das Wandern unser Gehirn verändertÄrzte erklären wie das Wandern unser Gehirn verändertHeute geht es einmal wieder um das Wandern und ganz speziell um die medizinischen Pluspunkte dieser Freizeitbeschäftigung.

Wer gerne wandert oder auch nur spazieren geht, der weiß, worum es geht – Bewegung an der frischen Luft ist die eine Sache. Aber auch die Tiere zu beobachten, der Geruch eines Kiefernwäldchens, Wind und Sonne auf der Haut zu spüren und vielleicht als Krönung eine fantastische Aussicht zu genießen, das alles tut gut.

Wir wollen aber heute einmal genauer hinschauen und speziell der Frage nachgehen, wie sich das Wandern positiv auf unsere Kognition, also unser Wahrnehmen, Denken und Verstehen auswirkt. Denn insbesondere Neurophysiologen, also Ärzte der Hirnforschung, haben sich in letzter Zeit verstärkt mit dem Wandern beschäftigt.

Wer gerne wandert, der muss nicht erst davon überzeugt werden, wie gesund das Wandern ist. Aber wer nicht gerne wandert, den werden vielleicht die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu interessieren.

Konfiguration der Hardware Gehirn

Dabei ist zu betonen, dass das Wandern sich wirklich auf unsere Hardware – das Gehirn als Organ – auswirkt. Das haben unter anderen Wissenschaftler von der Stanford University und der University of British Columbia für unterschiedliche Gehirnregionen entdeckt.

Es ist also nicht nur gut für´s Gemüt, weil ich mich an der bunten Vogelvielfalt erfreue, sondern diese Freude schlägt sich tatsächlich physiologisch nieder. Also nicht nur psychologisch.

Das ist interessant, denn das bedeutet auch, dass ich mit regelmäßigem Wandern meine Lebensqualität nachhaltig verbessern kann – nicht nur punktuell und im Moment des Wanderns.

Reizunterflutung

Doch eines nach dem anderen. Wichtig ist zu betonen, welche Faktoren beim Wandern noch eine Rolle spielen, damit es die oben genannten Effekte hat.

Denn es geht nicht nur um ein zügiges Gehen, also vielleicht eine regelmäßige Bewegung, zum Beispiel der morgendliche Gang zum Bäcker. Und es ist auch nicht damit getan, sich auf dem Laufband im Fitnessstudio oder zuhause zu bewegen und dabei vielleicht 3 virtuelle Kilometer zurückzulegen.

Nein, die Rede ist vom Wandern in guter alter Tradition. Wenn Sie also nachhaltig etwas Positives für Ihre Gesundheit tun wollen, dann ist auch wichtig, dass

  • das Wandern, erstens, in der freien Natur stattfindet, und
  • Sie, zweitens, kein Telefon oder sonstigen technologischen Gerätschaften benutzen. Gleiches gilt für MP3-Player.

Neue klinische Studien

Schon unser deutsche Vorzeigedichter, Goethe, behauptete, „was ich nicht erlernt habe, das habe ich erwandert.“ Das heißt doch, dass es ein Wissen gibt, dass man im stillen Kämmerlein studieren kann, und ein anderes Wissen, dass ich mir durch körperliche Bewegung aneignen kann.

Und in der Tat, das Wandern in der Natur soll sich in mindestens fünffacher Weise positiv auf unser Denken und Denkstrukturen auswirken:

  1. Weniger negative Gedanken, Ängste und Unsicherheiten,
  2. Förderung von kreativem Denken,
  3. Anti-Aufmerksamkeitstörung,
  4. verbesserte Erinnerungsfähigkeit,
  5. Stressreduktion.

1. Weniger negative Gedanken, Ängste und Unsicherheiten

Man braucht keine Studie, um herauszufinden, dass permanent negative Gedanken, von denen man sich nur schlecht lösen kann, zu Depressionen und Angststörungen führen kann.

Es ist auch schon länger bekannt, dass Depressionen und Bewegungsmangel in einem engen Zusammenhang stehen. Wer depressiv ist, kann sich zu nichts aufraffen, dies führt zu einem Bewegungsmangel und vielleicht Gewichtszunahme, und beides verstärkt wiederum die Depression – ein Teufelskreis.

Natur statt Stadt

Doch mehr noch: in einer jüngeren Studie haben Ärzte und Wissenschaftler nun untersucht, wie sich nicht nur die regelmäßige Bewegung, sondern körperliche Aktivität in der Natur auf permanentes Grübeln auswirken kann.

Im Hintergrund dieser Studie steht die Erkenntnis, dass Menschen in einem urbanen Umfeld stärker von diesen psychischen Erkrankungen betroffen sind, so dass diese Versuchsanordnung also eigentlich nahe liegt.

Es wurden Leute, die stundenlang durch den Großstadtdschungel „wanderten“, mit Wanderern in der freien Natur vergleichend untersucht. Und tatsächlich haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass das Wandern in freier Natur obsessive, negative Gedanken vermindert.

Und das nicht in einer nur subjektiven Weise, die sich in bloßen Eigenbeschreibungen ausdrückt, etwa wie „Ich fühl mich jetzt viel besser als vorher“. Im Gegenteil, die Gehirnaktivitäten der Probanden wiesen messbare Unterschiede auf.

Ergebnis: Ausgeglichenheit

Speziell davon betroffen war die Aktivität des so genannten präfrontalen Cortex, also des vorderen Teils der Großhirnrinde, der mit dem limbischen System zusammenhängt. Und das wiederum reguliert unseren emotionalen Reaktionen, Triebe und unser Impulsverhalten.

Diese verringerte Aktivität war bei Stadtwanderern nicht zu beobachten. Die Ärzte vermuten, es liegt an den geringen Reizstimuli, Stressfaktorien, Geräuschpegeln in der freien Natur.

Handy aus beim Wandern

Und genau diese Faktoren – Stress, Reize, Geräusch – sind es, die in unser Gesellschaft tendenziell immer mehr zu- statt abnehmen. Jeder weiß jetzt schon, was kommt – das böse Handy oder Smart-Telefon.

Doch es geht nicht darum, in einen Kulturpessimismus zu verfallen oder einer Verteufelung der Technologie das Wort zu reden. Im Gegenteil gibt es immer mehr Apps, die auch auf gesundheitliche Themen abzielen.

Und so können Schrittzähler wie auch GPS ebenso beim Wandern von Interesse sein, ganz abgesehen vom Notruf im Notfall. Dennoch empfehlen die Ärzte: Handy aus beim Wandern. Nicht nur wegen der Ablenkung, sondern weil es uns dabei hilft, kreative Problemlösungen zu finden.

2. Förderung von kreativem Denken

Einer weiteren Studie zufolge steht das Wandern in der freien Natur ohne jeglichen Kontakt zu Technologien im direkten Zusammenhang zu unser Fähigkeit, auf neue Lösungen für Problemstellungen zu kommen.

Die Versuchsanordnung war wie folgt. Man schickte die Probanden auf eine Rucksacktour ohne Handy, Tablet oder sonstigen Gerätschaften. Während der Tour wurden sie dazu aufgefordert, bestimmte Aufgaben zu erfüllen, die Kreativität und komplexe Problemlösungsstrategien erforderten.

Das Ergebnis war frappierend: Die Probanden konnten ihre kreativen Problemlösungs-Fähigkeiten um 50 % steigern.

Zugegebenermaßen hängt es damit zusammen, wie gut wir uns konzentrieren können. Je mehr wir abgelenkt sind, desto zersteuter sind wir und können Dinge nicht wirklich durchdenken oder Gedankenexperimente verfolgen.

Wenn wir also eine Weile „offline“ gehen, hilft es uns dabei, geistig auszuruhen, zu entspanen und aufzutanken, um dann Probleme wieder mit frischer „geistiger Spannkraft“ anzugehen.

Aber nicht nur das, wir denken auch kreativer und auf neue Weisen, denn kreativ denken heißt abseits der eingefahrenen Bahnen nach Lösungen zu suchen. Und das geht besser, wenn wir weniger obsessiv Grübeln, wie wir oben gelernt haben, und somit nicht auf nur einen Ansatz krampfhaft fokussiert sind.

3. Anti-Aufmerksamkeitstörung

Das bringt mich zum nächsten Punkt. Haben Sie ein so genanntes ADD-Kind oder kennen Sie Kinder, die unter „Hyperaktivität“ leiden? Dann kennen Sie die Herausforderungen für alle Beteiligten nur zu gut. ADD-Kinder haben für gewöhnlich Schwierigkeiten, sich auf etwas zu fokussieren, sind leicht abgelenkt, eben auch hyperaktiv und neigen zu impulsiven Verhalten.

Anfang der Neunziger Jahre wurde vor allem die medikamentöse Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung bei Kindern als das Nonplusultra gehandelt, besonders von der Pharmaindustrie. Das wurde seither vielerorts diskutiert und problematisiert.

Sein Kind mit synthetischen Drogen zu behandeln, ist sicher für keinen die erste Wahl, wurde aber lange als das geringere Übel empfunden.

Doch jetzt die gute Nachricht,  Ärzte haben nun zusätzlich herausgefunden: wer seinem Kind etwas richtig gutes tun möchte, geht mit ihm wandern. Denn Wandern hilft auch dabei, sich besser konzentrieren zu können.

Grün wirkt Wunder bei Konzentrationsstörungen

In einer entsprechenden Studie konnten die Wissenschaftler feststellen, dass Kinder mit ADD sehr positiv auf Aktivitäten „im Grünen“ reagieren. Die Symptome verringerten sich schlagartig.Die Ärzte dieser Studie empfehlen also nachdrücklich Freizeitaktivitäten in der freien Natur. Sie gehen davon aus, dass diese die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit deutlich erhöhen.

Denn die positive Wirkung macht sich schon bei kleineren Umstellungen bemerkbar. Ein Fensterplatz mit Blick auf die grüne Natur, ein kleiner Nachmittagsspaziergang oder ein kleiner Fußball-Kick im Park kann unliebsame ADD-Symptome lindern.

Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass die Vermutung nahe liegt, dass dieser Effekt sich auch bei Erwachsene einstellen könnte, die Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren.

4. Verbesserte Erinnerungsfähigkeit

Um meine verstaubten Lateinkenntnisse auszukramen: mens sana, in corpore sano. Wir alle kennen diese Weisheit: (Nur) in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.

Wer hier auf wen einwirkt, der Geist auf den Körper oder umgekehrt, oder gar beide gegenseitig und in einer Tour, müssen wir nicht diskutieren.

Fest steht, dass Wandern im engeren Sinn gesund ist, das kann sich schon jeder denken.

Bergwandern oder auch nur ein strammer Marsch mit dem Hund durch den Stadtpark kann einige Kalorien verbrennen. Auch fördert das Wandern die Beweglichkeit und fordert die Gelenke, ohne sie zu überfordern.

Und schließlich, das hätte ich persönlich nicht gedacht, wurde festgestellt, dass Menschen, die sich in der Natur sportlich betätigen, eher bei ihrem „Trainingsprogramm“ bleiben, als Leute, die in einem Fitnessstudio trainieren.

Doch mehr noch, die Bewegung wirkt sich positiv auf unsere Gehirnstruktur und unsere kognitiven Fähigkeiten aus.

Denn die Ertüchtigung führt nachweislich dazu, dass unser Hippocampus besser ausgebildet ist, wie Wissenschaftler nun im Zusammenhang mit Aerobic entdeckt haben. Und der Hippocampus ist mit unserer Erinnerungsfähigkeit verknüpft und mit unserem räumlichen Denken.

Und wieder hat auch diese Studie betont, dass der positive Effekt eine langanhaltende und möglicherweise präventive Wirkung haben könnte. Denn zusätzlich zu verringertem Stresslevel kann damit, so eine Vermutung der Forscher, Demenz und sonstigsten kognitiven Verfallserscheinungen vorgebeugt werden.

5. Stressreduktion

Mir hat mal tatsächlich ein Arzt bei meinem ersten Besuch folgendes Rezept „verschrieben“: Gehen Sie die nächsten drei Wochen dreimal pro Woche flott spazieren oder auch joggen, wichtig ist nur, dass sich dabei die Herzfrequenz erhöht und man leicht ins Schwitzen kommt. Wenn Sie danach immer noch diese Beschwerden haben, kommen Sie wieder“.

Zunächst war ich doch etwas perplex und dachte, der gute Herr Doktor erlaubt sich einen Spaß oder ist einer von denen, der nicht an Schulmedizin „glaubt“, doch weit gefehlt. Und ich habe es damals bewusst ausprobiert und es hat mir tatsächlich geholfen.

Klar, dieses Rezept kann auch nur bei bestimmten Beschwerden helfen, aber dennoch. Laut einer amerikanischen Umfrage verschreiben mehr und mehr Ärzte die so genannte „Ecotherapie“, um toxischen Stress abzubauen, doch ich denke, dass auch hierzulande wieder mehr auf diese ganzheitlichen Ansätze geachtet wird.

Gehirnwandern – 5+5 medizinische Gründe

Auch die Krankenkassen freuen sich, denn Wandern kostet nichts und kann der ganzen Familie Spaß machen.

Für Anfänger sollte natürlich nicht gleich der Jakobsweg auf dem Programm stehen. Ausflüge ins nächstgelegene Naturschutzgebiet oder einfach kleine Wanderwege in der Nähe sind ein guter Anfang. Und die gibt es wirklich überall, liebe Städter – also keine Ausreden, rein in die S-Bahn und ab hinter die Stadtgrenze!

Aber man sollte schon in festes Schuhzeug investieren. Und es empfiehlt sich auch, auf die richtige Kleidung zu achten, damit ein Regenguss oder Hitze nicht gleich den Stresslevel wieder ansteigen lässt. Gleiches gilt für ausreichend Sonnenschutz – auch im Winter! – und Trinkwasser.

Die wichtigsten Effekte und Vorteile im Überblick:

Wandern und Bewegung in der freien Natur fördert

  1. kreatives Denken,
  2. Problemlösungen,
  3. Selbstbewusstsein,
  4. Erinnerungsvermögen,
  5. Konzentrationsvermögen.

Wandern verbessert die Lebensqualität, indem

  1. Stress abgebaut,
  2. Endorphine ausgeschüttet,
  3. negatives Denken gestoppt,
  4. Ängste gelöst und
  5. die Stimmung aufgehellt wird.

Worauf warten wir also noch?

Die Quellen

Dres. Atchley und Strayer, „Creativity in the Wild“.

Dr. Kuo et al., „A Potential Natural Treatment for ADHD/Hyperactivity“.

Dr. Bratman et al., „Nature experience reduces rumination“.

Dr. Brinke et al., „Aerobic exercise increases hippocampal volume“.

WebMD, „Ecotherapy“

 

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