Einen tiefentladenen E-Bike Akku wiederbeleben – Schnellhilfe für Neulinge

E-Bike Akku tiefentladen wiederbeleben - Schnellhilfe für Neulinge

Die Verabredung zur ersten Frühjahrs Ausfahrt mit den E-Bikes steht: Schnell noch den Akku laden – Moment mal, da tut sich nichts? Der Lithium-Ionen-Akku ist wahrscheinlich tiefentladen. Muss die Batterie ersetzt werden oder lässt sich der tiefentladene E-Bike Akku wiederbeleben?

Es lohnt sich durchaus, einen Akku zu reaktivieren, jedoch sollten Sie sich an eine qualifizierte Firma wenden. Das Risiko der Brandgefahr ist zu groß, wenn Sie planen, selbst eine Reparatur durchzuführen. Ein wiederbelebter Akku verlängert die Zeit bis zu einem endgültigen Austausch und schont damit vorerst das Budget.

Was bedeutet Tiefentladung bei einem E-Bike Akku?

Jeder E-Bike Akku stellt eine bestimmte Kapazität bereit, womit er eine bestimmte Energiemenge liefert.

Sobald die Kapazität durch Stromentnahme unter 20 % Ladezustand fällt, erreicht ein E-Bike Akku die Entladeschlussspannung, umgangssprachlich Tiefentladung genannt.

Da die Unterschreitung des minimalen Spannungsniveaus die Zellen bereits beim ersten Mal unwiederbringlich schädigen kann, sollten Sie speziell in der Winterpause durch regelmäßiges Nachladen für ausreichende Kapazität sorgen.

Wie kommt es zu Tiefentladung?

Es kommen mehrere Gründe infrage, die einen Fahrrad Akku tiefentladen:

  • Lange Zeiten der Inaktivität
  • Auch bei einem alten Akku kann Tiefenentladung einsetzen
  • Zu kalte Lagertemperatur unter 10 °C
  • Defekte Elektronik des Batterie-Management-Systems BMS
  • Die Selbstentladung durch Kriechströme beträgt monatlich 1 %
  • Überhitzung

Der E-Bike Akku ist tiefentladen – Selbst Wiederbeleben möglich?

Zuerst sollten Sie mit einem Multimeter messen, ob Spannung anliegt. Einfache Multimeter sind nicht teuer:

Multimeter
ANSEHEN*

Die Spannung gesunder 18650-er Litium-Ionen Zellen liegt leer bei 2,5 Volt und um 4,2 Volt in voll geladenem Zustand.

Messen Sie diese Werte, besteht eine gute Chance, dass Sie Ihren Akku retten können.

Stellen Sie Spannung unter 2,5 Volt fest, ist der  Akku komplett entladen und das Ladegerät erkennt die 36V Batterie als defekt.

Fällt der Selbsttest des Ladegeräts negativ aus, blockiert es den Ladevorgang.

Wichtig: Öffnen Sie niemals selbst die Batterie, sondern geben ihn beim Händler ab, der mit einem Diagnose-Tool im BMS weitere Fehler ausliest. Akkus sind brandgefährlich!

Die Akku Schutzschaltung ist aktiviert

Sie vermuten, dass der Bosch E-Bike Akku tiefentladen ist, doch hochwertige Produkte wie diese besitzen einen weiteren Sicherheitsmechanismus: Das BMS aktiviert eine Schutzschaltung, falls Tiefentladung, Überspannung, Kurzschluss oder zu hohe Stromentnahme vorliegen.

Eine elektronische Trennung der Zellen vom Verbraucher soll damit Beschädigung zuvorkommen.

Im Internet kursieren zahlreiche Video-Anleitungen, wie Bastler „tote“ E-Bike Akkus durch den Impuls einer geladenen Zelle wiederbeleben. Anschließend lässt sich der Akku an einem Charger ganz normal laden.

So ein reaktivierter Akku ist allerdings mit Vorsicht zu genießen.

Ich erkläre Ihnen auch, warum das so ist.

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Was passiert bei der Wiederbelebung eines E-Bike Akkus?

Zunächst möchte ich Ihnen kurz den Aufbau des Lithium-Ionen-Akkus erklären, um die Vorgänge bei einer Reaktivierung zu veranschaulichen.

Im Inneren des E-Bike Akkus befinden sich eine Kupfer- und eine Aluminiumfolie, die jeweils den Plus- und Minuspol bilden.

Ein Separator in der Mitte trennt die Pole voneinander, um Kurzschluss zu meiden.

Darüber hinaus sind Elektrolyten vorhanden, worin die Lithium-Ionen beim Laden von links nach rechts und bei der Entnahme von rechts nach links fließen.

Bei einem tiefentladenen Akku, dessen Spannung unter 2,5 Volt gefallen ist, zersetzt sich die Kupferfolie. Kupferpartikel mischen sich mit dem Elektrolyten und wandern frei umher.

Elektrische Impulse führen zu unkontrollierbaren chemischen Reaktionen

Der elektrische Impuls bei einer Reaktivierung bewirkt die Abscheidung des Kupfers aus dem Elektrolyten.

Leider setzten sich die Kupferpartikel nicht an ihrem alten Platz auf der Folie ab, sondern irgendwo im Akku. Auf der Folie bilden sich kristallartige Strukturen, sogenannte Dendriten, die Sie sich wie Tropfsteine vorstellen können.

Irgendwann durchbricht ein Dendrit den Separator und erzeugt einen Kurzschluss, der eine Kettenreaktion auslösen kann: Einzelne Zellen blähen sich auf und lösen einen Brand oder eine Explosion aus.

Also, selbst einen E-Bike Akku wiederzubeleben ist eine höchst gefährliche Angelegenheit!

Den E-Bike Akku fachgerecht regenerieren lassen

Als Laie können Sie äußerlich nicht einschätzen, ob der Akku entsorgt werden muss oder ‘nur’ die Schutzschaltung eingesetzt hat.

Die deutsche Firma Liofit hat ein Verfahren entwickelt und patentieren lassen, das zur Wiederbelebung defekter Lithium-Ionen-Akkus modernste Computertechnik einsetzt.

Zunächst führen Techniker eine Diagnose durch und testen an Fahrrädern in der Werkstatt, ob eine Reaktivierung möglich ist.

  • Ein tiefentladener Akku kann bis zu 70 % Kapazität erreichen,
  • ein Akku mit verminderter Reichweite erzielt bis zu 90 % des Neuzustandes.

Es werden Zellen repariert und die Elektronik getauscht.

Neue Zellen werden an das vorhandene BMS „angelernt“.

Welche Kosten entstehen für eine E-Bike Akku-Reparatur?

Beispiel: einen Samsung SDI E-Bike Akku tiefentladen wiederbeleben (Kosten beim Schreiben des Artikels)

  • Fehlersuche und Funktionsprüfung Samsung Akku: 0 – 35 EUR
  • Tiefenentladung beseitigen: 95 EUR
  • Reparatur / Austausch BMS Samsung SDI: 85 – 120 EUR
  • Zellentausch 30V-40V 11,6Ah: 270 EUR
  • Zellentausch 30V-40V 14Ah: 318 EUR

Quelle: Liofit

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