Bikepacking Ausrüstung – Die ultimative Liste (2022)

Bikepacking Ausrüstung - Die ultimative Liste

Bikepacking ist doch eine Fahrradreise, oder? Nicht so ganz: Bei diesen ein bis vier Wochen langen Touren über Straßen und Gelände transportieren Radler die gesamte Bikepacking Ausrüstung selbst. Gute Planung vor dem ersten Abenteuer muss ein, doch was alles gehört auf die Packliste? Lesen Sie mit!

Ganz gleich, ob Sie bald zu Ihrer ersten längeren Tour aufbrechen oder als routinierter Fahrer den prüfenden Blick auf die Ausrüstung werfen, meine Bikepacking Liste soll eine grobe Orientierung verschaffen, welche Dinge unterwegs gebraucht werden. Passen Sie die Artikel Ihren Bedürfnissen an und gehen sicher, für jede Situation gut gerüstet zu sein.

1. Was versteht man unter Bikepacking?

Bikepacking entstand in Nordamerika als Langstrecken-Wettbewerb, der mehr als einen Tag dauert. Die Teilnehmer nehmen die komplette Ausrüstung und Proviant auf dem Fahrrad mit. Da in herkömmliche Packtaschen die Gewichtsverteilung ungünstig ist und die Wendigkeit einschränken, entstand das spezielle Packsystem direkt am Rahmen.

Durch Gewichtseinsparung und cleveres Packen lassen sich auch anspruchsvolle Passagen im Gelände angenehm fahren. Bikepacking ist die abenteuerliche Variante gewöhnlicher Radtouren, wobei es darauf ankommt, die Ausrüstung optimal an das Fahrrad anzupassen.

2. Mit welchem Fahrrad kann ich Bikepacking Touren fahren?

Grundsätzlich sollte das Bike geländegängig sein. Wichtig ist das Anbringen der Packtaschen nahe am Rahmen und ein Rad, das zum geplanten Streckenprofil passt:

  • Schwieriges Gelände erfordert ein Hardtail oder Fully Mountainbike, auch ein Fatbike bewältigt komfortabel Strecken über Stock und Stein
  • Asphalt, befestigte Wege und Schotter lassen sich mit einem Gravelbike, einem Crossfahrrad, einem Cyclocrosser oder Fitnessbike befahren. Das Reifenprofil sollte entsprechend griffig sein.
  • Gemischte Strecken mit Gelände und Straße empfiehlt sich ein 20 Zoll MTB, das Stabilität und hohe Laufruhe bei temporeichen Abschnitten sowie gute Geländetauglichkeit bietet.

Bevor wir mit Empfehlungen für die Packliste beginnen, besprechen wir die verschiedenen Taschen, worin Verpflegung und Ausrüstung Platz finden.

3. Welche Fahrradtaschen für Bikepacking gibt es?

Packtaschen bilden die Basis für jede weitere Planung. Das Volumen entscheidet darüber, wie viel und welches Gepäck Sie mitnehmen können. Im Vergleich zu den üblichen Gepäckträgertaschen bieten Bikepacking-Radtaschen weniger Stauraum. Doch keine Sorge, mit unserer Packliste brauchen Sie auf nichts zu verzichten.

Entscheidende Eigenschaften der Bikepacking-Taschen sind wasserdichte Verarbeitung, geringes Gewicht und Flexibilität. Gute Qualität kostet zwar ihren Preis, doch der Gegenwert dafür ist Sicherheit und Strapazierfähigkeit auf Strecke.

Dieses Taschen-Set ist bei Bedarf noch erweiterbar durch Flaschen- und Handyhalter, Kompressionssäcke, eine Stem-Bag für den Lenkervorbau oder einen Trail-Rucksack.

Lesenswert:

4. Camping / Übernachten

Im Schlaf erholt sich der Körper von den Belastungen des Tages und füllt den Energiespeicher auf. Daher hat die Schlaf-Ausrüstung großen Einfluss auf Leistungsfähigkeit und Komfort während der Tour. Die Auswahl hängt von der Jahreszeit, persönlichen Bedürfnissen und den zu erwartenden Wetterbedingungen ab.

  • Zelt: Die eigene Körpergröße, das Zeltgewicht und Packmaß beachten (z.B. Grand Canyon Cardova*)
  • Schlafsack: Richtet sich nach den Temperaturen und persönlichem Kälteempfinden (z.B. von Mountrex*)
  • Schlafsack-Inlay: Wärmt und hält den Schlafsack sauber (z.B. von Nomadic*)
  • Isomatte: Schützt vor Bodenkälte und erhöht den Schlafkomfort auf hartem Untergrund (z.B. von Starter*)
  • Kopfkissen: Entlastet die Nackenmuskulatur (z.B. von Therm-a-Rest*)
  • Tarp: Die leichte Plane bietet Wetterschutz und Schlafplatz, mit oder ohne Hängematte (z.B. von DD Hammocks*)

Optional ist noch eine Plastikplane als Zeltunterlage gegen Feuchtigkeit und Beschädigung durch Steine oder Wurzelwerk empfehlenswert.

5. Welche Kleidung brauche ich?

Da die Kleidung je nach Jahreszeit und persönlichen Vorlieben variiert, listen wir nur eine allgemeine Empfehlung auf. Bei Strümpfen, kurzen und langen Shirts hat sich Merinowolle bewährt, da die Naturfaser auch nach mehreren anstrengenden Tagen nicht verschwitzt riecht. Daneben ist die Unterscheidung ‘am Körper’ und ‘Ersatzkleidung’ sinnvoll.

Regenschutz ist essenziell und gehört auf jeden Fall ins Gepäck, da Umziehen der einmal durchnässten Kleidung in freier Natur schlecht möglich ist und diese dann in feucht im Gepäck verstaut werden muss. Die Daunenjacke ist auch an frischen Sommerabenden und in kühlen Nächten Gold wert.

Tipp: Fahren Sie eine kurze Probe-Tour und lassen dann nicht benötigte Teile weg.

6. Werkzeug und Ersatzteile

Welche Werkzeuge und Ersatzteile Sie auf der Packliste notieren, richtet sich nach dem zur Verfügung stehenden Stauraum und der geplanten Route. Falls die Tour größtenteils durch abgelegene Landstriche fernab der Zivilisation führt, sollte die Werkzeugtasche umfangreicher gefüllt werden, als auf ausgeschilderten Strecken. Folgende Basics sollten in jedem Falle vorhanden sein:

  • Fahrradschloss: Ein starkes Kettenschloss ist flexibler einsetzbar als ein Bügelschloss (z.B. ABUS Granit CityChain XPlus 1060*)
  • Luftpumpe: Der richtige Reifendruck verbessert das Rollverhalten und spart Muskelkraft (z.B. SKS Germany Minipumpe*)
  • Ersatzschlauch: Pannen können immer passieren
  • Flickzeug / Dichtmilch bei Tubeless Reifen
  • Kettenöl: Klackernde Kettengeräusche
  • Reifenheber: Unverzichtbar, um den Schlauch aufzuziehen
  • Multitool (z.B. TOPEAK Mini 20 Pro*)
  • Gewebeband hält alles zusammen
  • Kabelbinder zur provisorischen Befestigung
  • Ersatzteile: Bremszug 1x, Schaltzug 1x, Bremsbeläge 2x, Kettenschloss 2x, Schaltauge 1x

Nehmen Sie auch einen Lappen mit, um Fett abzuwischen oder während der Reparatur Kleinteile daraufzulegen.

Lesenswert: Wie lange halten Bremsbeläge bei einem E-Bike? Felgen- vs Scheibenbremsen

7. Küche, Essen und Trinken

Viele Biker verzichten aus Platz- und Gewichtsgründen auf Kochgeschirr oder planen Einkaufsmöglichkeiten in die Route ein. Auf längeren Touren jedoch ist es eine Überlegung wert, abends eine warme Mahlzeit zu kochen. Die beste Option ist ein ultraleichter Titan-Topf, der sämtliche Utensilien aufnimmt.

  • Mini Gaskocher plus Kartusche (z.B. von Campingaz*)
  • Topf aus Titan (z.B. von Bestargot*)
  • Tasse aus Titan
  • Spork aus Titan – ein Tool, das Löffel und Gabel kombiniert (z.B. von Freigeist*)
  • Messer – am besten ein gutes Taschenmesser, um Feathersticks und Kleinholz vorzubereiten
  • Feuerstahl, um ein Lagerfeuer anzuzünden
  • Wasserflaschen, beispielsweise 2 x 950 ml zum Trinken, Kochen und Abwaschen
  • Zip-Lock Plastikbeutel zur Aufbewahrung 5x
  • Fertignahrung, energiereiche Snacks, Trinkwasser (z.B. NRG-5*)

Ausgewogene Ernährung gewährleistet kontinuierliche Leistungsfähigkeit unterwegs. Der ideale Mix aus Energie und Nährstoffen für Ausdauersportarten wie Bikepacking enthält:

  • 60 % Kohlenhydrate: Sie werden in den Muskeln gespeichert und liefern schnelle Energie, Vollkornprodukte enthalten viele Ballaststoffe. Geeignet sind Haferflocken, Reis, Brot, Hülstenfrüchte, Teigwaren, Kartoffeln, frisches Obst und Gemüse. Ungeeignet sind zuckerhaltige Speisen, süße Softdrinks, Dosenobst, weißes Brot und Kekse.
  • 24 – 26 % Fette bilden durch Kalorien die Energiereserve. Nahrungsmittel mit hohem Fettgehalt benötigen wenig Platz im Gepäck, doch sollten sie hochwertige ungesättigte Fettsäuren enthalten. Beispiele hierfür sind Nüsse, Mandeln und Samen, Oliven, fette Fische wie Forelle, Makrele, Hering oder Lachs
  • 12 – 16 % Eiweiß: Proteine sättigen, bauen Muskelgewebe auf und erhalten auf langen Bikepacking-Touren die Kraft. Wichtige Eiweißquellen sind Nüsse und Samen, Vollmilchpulver, Käse, Fleisch, Eier, Fisch und Hülsenfrüchte.
  • Mineralien, Vitamine und Spurenelemente stärken das Immunsystem, beugen Mangelerscheinungen vor, aktivieren Stoffwechsel und die Blutbildung. Falls Sie unterwegs wenig Obst und Gemüse essen, halten Nahrungsergänzungsmittel die Mikronährstoffe auf dem erforderlichen Level.

Ausreichend Trinken ist die Grundregel Nummer 1: Während langandauernder körperlicher Belastung erhält ausreichende Flüssigkeitszufuhr Kraft und die Gesundheit. Während jeder Erwachsene täglich rund zwei Liter trinken sollte, liegt der Wasserbedarf eines Sportlers um ein Vielfaches höher, da durch Schwitzen viel Feuchtigkeit und Mineralstoffe verloren gehen.

Die Faustregel beim Bikepacking lautet: alle 15 -20 Minuten etwa 150-250 ml zu trinken. Stilles Mineralwasser mit mindestens 200 mg Natrium und Schorle mit 30 % Saftanteil stillen den Durst am besten. Die Trinkflasche sollte daher immer griffbereit sein.

8. Hygiene und Erste Hilfe

Nur wenige Utensilien erhalten die Frische und Hygiene unterwegs. Greifen Sie zu Körperpflegeprodukten in Reisegröße! Auch gegen kleine Verletzungen sollten Sie sich wappnen:

  • Zahnpasta und Zahnbürste
  • Duschgel und Deo
  • Insektenspray, Desinfektionsspray und Sonnenschutz
  • Wundcreme und Schmerztabletten
  • Erste-Hilfe-Set (z.B. Wundmed Erste Hilfe Set 32-teilig*), Zeckenschlinge (z.B. von 3ix*)
  • Kohletabletten gegen Durchfall
  • Magnesium gegen Muskelkrämpfe
  • Spülmittel

Ein Mikrofaser-Gästehandtuch, Papiertaschentücher und eine Rolle Toilettenpapier erweisen gute Dienste. 2-in-1 Duschgel erspart ein extra Shampoo. Männer müssen sich entscheiden, Rasierzeug einzupacken oder einen Bart stehenzulassen.

9. Elektronik

Nehmen Sie Ihre bevorzugten Geräte mit, da Sie mit den Funktionen und der Bedienung vertraut sind.

10. Sonstige & spezielle Ausrüstung

Persönliche Dinge sollten Sie möglichst am Körper tragen, um Diebstahl und Verlust zu vermeiden:

Manche Biker tragen eine SOS-Kapsel mit persönlichen Daten an einer Kette um den Hals.

Steuern Sie besondere Reiseziele mit anderen geografischen und klimatischen Bedingungen an, planen Sie einige Extras ein. Prüfen Sie vor Touren in Südeuropa oder weit entfernten Ländern Ihren Impfschutz und schützen sich mit einer Malaria-Impfung in gefährdeten Regionen!

  • Moskitonetz für erholsamen Schlaf im Hochsommer und in südlichen Ländern
  • Wasserfilter, gegebenenfalls Wasser-Entkeimungstabletten für Auslandsreisen (z.B. Sawyer Mini PointONE*)
  • Solarpanele liefern in sonnigen Ländern und sehr abgelegenen Gegenden gratis Strom (mehr dazu hier)
  • Neopren-Überschuhe für Wintertouren
  • Neoprenüberzug für den Lenker

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.